Gerichtliches Mahnverfahren beantragen

Manchmal führt kein Weg daran vorbei: Nachdem Sie vergeblich den Kontakt mit Ihrem Kunden gesucht haben, entscheiden Sie sich, ein gerichtliches Mahnverfahren zu beantragen. Nicht selten wirft dieser Schritt viele Fragen auf: Was sind die Voraussetzungen für das gerichtliche Mahnverfahren? Wie ist die Dauer des gerichtlichen Mahnverfahrens? Ab wann kommt es zur gerichtlichen Verhandlung?

Wir geben Ihnen Antworten zu den wichtigsten Fragen und klären Sie auf, was Sie beim gerichtlichen Mahnverfahren beachten sollten und welche Fallstricke Sie meiden sollten.

Gerichtliche Mahnverfahren – die Voraussetzungen

Damit Sie ein gerichtliches Mahnverfahren beantragen können, ist eine Voraussetzung zentral: Sie müssen dem Schuldner eine Rechnung zugestellt haben. Diese können Sie ihm später mit der Mahnung erneut zustellen, doch dieser Schritt ist Ihnen freigestellt.

Wie viele Mahnungen vor dem gerichtlichen Mahnverfahren?

Um einen Erlass auf ein gerichtliches Mahnverfahren zu erwirken, sind Sie nicht gezwungen, einen geschäftlichen Schuldner zuvor außergerichtlich zu mahnen. Ihre Rechnung wird durch gesetzliche Regelungen automatisch fällig, oder wenn Sie in der Rechnung ein konkretes Zahlungsziel genannt haben. Dennoch empfehlen wir Ihnen, mindestens ein kaufmännisches Mahnschreiben zu verschicken, bevor Sie einen Antrag auf Erlass eines gerichtlichen Mahnbescheids stellen.

Aus Erfahrung wissen wir, dass nicht hinter jedem Zahlungsverzug eine böse Absicht steckt. Manchmal hat der Kunde die Rechnung schlichtweg vergessen und überweist den Betrag nach einer freundlichen Erinnerung unverzüglich.

So setzen Sie einen Verbraucher in Verzug

Anders als bei einem geschäftlichen Schuldner, müssen Sie einen Verbraucher nach § 286 des BGB durch ein Mahnschreiben in Verzug setzen. Dabei müssen Sie dem Schuldner eine genau bezeichnete letzte Zahlungsfrist angeben. Zudem können Sie darauf hinweisen, dass Sie den Fall mit Ablauf der Frist einem Inkasso-Unternehmen übergeben oder gerichtliche Schritte gegen ihn einleiten werden.

Bitte beachten Sie zudem, dass zum Zeitpunkt der Antragsstellung für einen Mahnbescheid keine Gegenleistungen mehr offen sein dürfen. Hat der Kunde beispielsweise bei Ihnen über einen Online-Shop gekauft, ist zwingend erforderlich, dass die bestellte Ware vollständig beim Kunden eingegangen ist, bevor Sie ihn ermahnen können.

Sie können Ihren Kunden professionell in Verzug setzen, indem Sie eine kaufmännische Mahnung verfassen oder bereits in der Rechnung mit einem konkreten Zahlungsziel arbeiten. Wie genau das funktioniert, erläutern wir Ihnen in diesem Beitrag.

Gerichtliches Mahnverfahren – wie läuft das ab?

Wie ist der Ablauf bei einem gerichtlichen Mahnverfahren? Alles beginnt mit dem Antrag auf Erlass eines Mahnbescheids. Diesen müssen Sie schriftlich einreichen. Das können Sie tun, indem Sie im Schreibwarenhandel ein Antragsformular erwerben. Alternativ können Sie den Antrag auch online stellen.

Mahnbescheid – welches Amtsgericht ist zuständig?

Wenn Sie einen gerichtlichen Mahnbescheid beantragen wollen, wenden Sie sich dafür an das Mahngericht bzw. Amtsgericht, das für Ihren Wohnsitz zuständig ist.

In Nordrheinwestfalen sind zum Beispiel zwei Amtsgerichte bestimmt: Für Antragsteller mit dem Wohnsitz im Oberlandesgerichtsbezirk Köln ist das AG Euskirchen zuständig, Antragsteller mit Wohnsitz im Oberlandesgerichtsbezirk Düsseldorf und Hamm wenden sich an das AG Hagen. Weitere Zuständigkeiten können Sie über die Seite www.justizadressen.nrw.de recherchieren.

Welche Unterlagen muss ich beim Amtsgericht einreichen?

Natürlich gibt es für den Antrag auf Erlass eines gerichtlichen Mahnbescheids Voraussetzungen, die Sie erfüllen müssen. Dazu gehört zum Beispiel, dass Sie Ihre Ansprüche begründen können. Dies tun Sie, indem Sie ein entsprechendes Formular ausfüllen. Bitte achten Sie dabei besonders darauf, dieses formal korrekt auszufüllen. Weitere Beweise müssen Sie dazu nicht einreichen. Haben Sie Beweise mitgesendet, sendet das Amtsgericht diese ungeprüft zurück.

Bitte bedenken Sie, dass Sie bei Antragsstellung auch die Gebühren für die Gerichtskosten entrichten müssen.

Gerichtliches Mahnverfahren – das kann die Dauer verlängern

Wenn das Amtsgericht in Ihrem Antrag einen formalen Fehler entdeckt, wird es diesen entsprechend bei Ihnen monieren. Das kann die Dauer des gerichtlichen Mahnverfahrens deutlich verlängern. Sie erhalten dann eine Auflistung der Beanstandungen und ein Formular, mit dessen Hilfe Sie die Fehler korrigieren können. Zu den häufigsten Fehlern gehören zum Beispiel:

  • Sie haben den Antragssteller oder Antragsgegner fehlerhaft oder unzureichend beschrieben.
  • Im Antrag fehlt eine zustellfähige Anschrift.
  • Die Angaben zu Ihrer Forderung sind unzureichend.

Haben Sie den Antrag korrekt bestellt, erlässt das Mahngericht den Bescheid in der Regel innerhalb weniger Tage. Bei eiligen Anträgen sollten Sie unbedingt beachten, dass eine Monierung die Bearbeitung Ihres Mahnbescheids um zwei Wochen verzögern kann und somit die Dauer des gerichtlichen Mahnverfahrens insgesamt beeinflusst.

Nach erfolgreichem Antrag versendet das Amtsgericht eine Mahnung an Ihren Schuldner. Diese hat nun deutlich mehr Gewicht, da das Amtsgericht hier als Absender auftritt. Ab Zustelldatum hat der Schuldner eine Frist von zwei Wochen, um seiner Zahlungspflicht nachzukommen oder Widerspruch gegen Ihre Forderung einzulegen. Reagiert er jedoch weder mit Widerspruch noch mit einer Zahlung, erhalten Sie nach Ablauf der zweiwöchigen Frist einen Vollstreckungsbescheid, mit dem Sie eine Zwangsvollstreckung beauftragen können.

Was geschieht bei einem Widerspruch?

Erhebt der Schuldner innerhalb der zweiwöchigen Mahnfrist einen Widerspruch und erkennt Ihre Forderung nicht an, kommt es zum streitigen Rechtsverfahren. Der Fall wird an das zuständige Gericht weitergeleitet und Sie erhalten eine Information über die nächsten Schritte.

Antrag auf Vollstreckungsbescheid – wie läuft das ab?

Wenn der Schuldner innerhalb der zweiwöchigen Frist keinen Widerspruch erhebt, kann der Gläubiger einen Vollstreckungsbescheid beantragen. Mit diesem kann er sofort eine Zwangsvollstreckung einleiten. Er muss den Vollstreckungsbescheid allerdings innerhalb von sechs Monaten beantragen, ansonsten verliert der Mahnbescheid seine Gültigkeit.

Erkennt der Schuldner den Vollstreckungsbescheid nicht an, muss er innerhalb von zwei Wochen dagegen Einspruch einlegen. In diesem Fall kommt es zum streitigen Verfahren und der Fall wird an das zuständige Gericht übergeben.

Hat der Schuldner nicht widersprochen, erklären wir Ihnen im folgenden Artikel, was Sie mit einem Vollstreckungsbescheid tun können.

Gerichtliches Mahnverfahren – welche Kosten fallen an?

Die Höhe der Gerichtskosten, die Sie beim Antrag auf Erlass eines Mahnbescheids entrichten müssen, richtet sich nach dem Streitwert Ihrer Forderung, also nach der Geldsumme, die sich aus der Forderung und den bisher entstandenen Kosten zum Beispiel für außergerichtliche Mahnungen sowie Verzugszinsen ergeben.

Übersicht der Kosten im gerichtlichen Mahnverfahren:

  • Bis 1.000 €: 32,00 €
  • Bis 1.500 €: 35,50 €
  • Bis 2.000 €: 44,50 €

Reagiert Ihr Schuldner nicht innerhalb der zweiwöchigen Mahnfrist, erhalten Sie einen Vollstreckungsbescheid. Für diesen entstehen keine neuen Gebühren. Neue Kosten fallen hingegen mit dem Vollstreckungsauftrag an – also in dem Moment, wo Sie einen Gerichtsvollzieher mit der Zwangsvollstreckung beauftragen.

Wir haben sie Neugierig gemacht?

Vereinbaren Sie jetzt Ihr unverbindliches Beratungsgespräch. Lernen Sie uns kennen und überzeugen Sie sich von unseren intelligenten Forderungslösungen.

Rufen Sie uns direkt an unter +49 (0) 221 975 830 – 00 oder schreiben Sie uns:

Bitte addieren Sie 1 und 9.
Demondo Leistungsversprechen für Inkasso